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	<title>Kommentare zu: EKD fordert 40 % Reduktion f&#252;r EU plus Finanzierung f&#252;r Entwicklungsl&#228;nder</title>
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	<description>Klima-Blog der Heinrich-Böll-Stiftung</description>
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		<title>Von: Horst Emse</title>
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		<dc:creator>Horst Emse</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 15:31:03 +0000</pubDate>
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		<description>„Und was ist mit der Verantwortung f&#252;r nicht vermiedene CO2-Emissionen?“ -
Kritische Anmerkung zur j&#252;ngsten EKD-Denkschrift zum Klimawandel

Es ist durchaus eindrucksvoll, wie die neue EKD-Denkschrift „Umkehr zum Leben – Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels“ die Dringlichkeit der Treibhausgasproblematik und ihre zu bef&#252;rchtenden schlimmen bis katastrophalen Folgen beschreibt. Ebenso bemerkenswert ist, dass der darauf bezogene Ruf zur Umkehr in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils mit konkreten Forderungen an den eigenen Verantwortungsbereich verbunden wird – ganz auf der Linie der EKD-Synode 2008, die ihren Gliedkirchen empfahl, im Zeitraum bis 2015 eine Reduktion ihrer CO2-Emissionen um 25 Prozent - gemessen am Basisjahr 2005 - vorzunehmen. 

Die Denkschrift ist auf dem Hintergrund dieser beachtlichen Zielsetzung f&#252;r das eigene Handeln geschrieben worden, und die auf das eigene Agieren gerichteten Forderungen sind mit der so vorgegebenen Zielmarke verkn&#252;pft. Das alles ist sehr lobenswert – und doch ist die Verlautbarung, besonders, weil sie aus kirchlichem Kontext stammt, auf bedr&#252;ckende Weise unzureichend:

Egal, ob man sich 20 oder 30 oder sogar 50 Prozent Emissionsvermeidung bis 2015 vornimmt, ob man „Gerechtigkeits- und Umweltfragen in der kirchlichen Agenda inhaltlich und strukturell eine h&#246;here Priorit&#228;t einr&#228;umen“ und „Fragen des Klimawandels und der Armutsbek&#228;mpfung noch st&#228;rker miteinander in Beziehung setzen“ will, ob man das „Umweltmanagement in allen kirchlichen H&#228;usern verpflichtend machen“, „das Mobilit&#228;tsverhalten in der Kirche &#252;berpr&#252;fen und Anreize f&#252;r eine klimafreundliche Mobilit&#228;t geben“ oder ein „&#246;kofaires Beschaffungswesen aus-bauen“ will u.a.m. – all dies Engagement erleidet einen gro&#223;en Glaubw&#252;rdigkeitsverlust, wenn das Naheliegende, das Vor-den-F&#252;&#223;en-Liegende nicht getan wird: das Bem&#252;hen um Tilgung oder Kompensation der nicht vermiedenen CO2-Emissionslasten, also jenes sonst j&#228;hrlich in die Luft abgegebenen gro&#223;en „Restes“, der in 2015 im Raum der EKD wahrscheinlich noch immer mindestens 75 % betragen wird.

Wie solche Wiedergutmachung zu bewerkstelligen ist, haben die letzten drei EKD-Synodaltagungen in 2007, 2008 und 2009 vorgemacht: Die durch die Veranstaltungen incl. An- und Abreisen verursachte CO2-Emissionsmenge wurde jeweils im ersten Schritt rechnerisch ermittelt; im zweiten wurden die entsprechenden Mittel bewilligt, mit denen dann drittens die Kompensation jener Emissionsmenge veranlasst wurde. Zweimal geschah das auf technischem Weg durch stellvertretende Emissionsvermeidung an anderem Ort, einmal auf biotische Art durch die Veranlassung einer Aufforstung, welche die emittierte CO2-Menge innerhalb weniger Jahre der Luft wieder entziehen wird. Im Endergebnis kann f&#252;r alle drei Tagungen gesagt werden, dass durch sie die Luft nicht langfristig mit zus&#228;tzlicher CO2-Emission belastet wurde, dass sie somit (netto betrachtet) klimaneutral durchgef&#252;hrt wurden. 

Auf solcherlei Bem&#252;hen, f&#252;r laufend (auch) durch kirchliches Handeln verursachte CO2-Emissionen Verantwortung zu &#252;bernehmen und auf die Verpflichtung, schnellstm&#246;glich Wiedergutmachung zu leisten, wird in der EKD-Denkschrift kein einziger Satz verwendet. Was wird man wohl den Vorhaltungen derer, die unter den Folgen des Klimawandels schmerzlich zu leiden haben, entgegnen, wenn sie fragen: „Warum habt ihr denn bei der &#252;berlaufenden (CO2-)Wanne nicht den bereit stehenden Eimer zum Absch&#246;pfen benutzt, wenn ihr den Zulaufkran schon nicht abstellen konntet? Habt ihr’s nicht getan, weil die Nutzung des Eimers Euch etwas kostete?“

Wie anders als mit der Sorge vor den finanziellen Konsequenzen l&#228;sst sich erkl&#228;ren, dass die EKD-Synode zwar schon dreimal f&#252;r die klimaneutrale Durchf&#252;hrung ihrer Tagungen gesorgt hat, dass sie sich aber nicht entschlie&#223;en kann/will, ihr vorbildliches Verhalten allen kirchlichen Gremien empfehlend zuzumuten? Welchen Grund kann es daf&#252;r geben, dass sich das gute Beispiel der EKD-Synode nicht bei der Aufz&#228;hlung von sinnvollen Handlungsoptionen in der Denkschrift niedergeschlagen hat, wenn es nicht die Sorge ist, dass die konsequente Durchf&#252;hrung von technischen oder biotischen CO2-Kompensationsma&#223;nahmen zur (grunds&#228;tzlich m&#246;glichen!) Erreichung klimaneutralen kirchlichen Handelns die schwierige finanzielle Lage der Kirchen noch verschlechtern k&#246;nnte? Die Synode hat ja bisher nicht erkl&#228;rt, ihre durch den EKD-Umweltbeauftragten ausf&#252;hrlich begr&#252;ndeten Kompensationsanstrengungen seien unsinnig gewesen.
 
PRIMAKLIMA bem&#252;ht sich seit Jahren u.a. bei Verantwortlichen der beiden gro&#223;en Kirchen darum, dass sie solch Kompensationshandeln bez&#252;glich nicht vermiedener bzw. (noch) nicht vermeidbarer CO2-Emissionen, wie es die EKD-Synode nun durch eigenes Handeln sanktioniert hat, offensiv werbend in die Gemeinden und sonstigen kirchlichen Organisationen tragen – vergeblich; das Anliegen wird konsequent abgeblockt.

PRIMAKLIMA hat einem der h&#246;chsten Repr&#228;sentanten der EKD vorgeschlagen, beispielgebend doch wenigstens daf&#252;r zu sorgen, dass die CO2-Emissionen seiner Dienstfahrten j&#228;hrlich systematisch kompensiert werden. Seine pers&#246;nliche lakonische Antwort darauf lautete, er benutze bereits „ein Auto, das schon jetzt den Grenzwerten entspricht, die nach 2012 gelten sollen“.

PRIMAKLIMA hat dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) erstmals in 2005 vorgeschlagen, mit einem Kostenaufschlag von 1,- € (!) pro Kirchentagsteilnehmer einen Kirchentagswald in einem Entwicklungsland anzupflanzen, der innerhalb weniger Jahre alle durch den DEKT in Hannover verursachten CO2-Emissionen wieder der Luft entzogen h&#228;tte; das wurde als in verschiedener Weise zu „billig“ abgelehnt. Ebenso vergeblich blieb ein erneuter Vorsto&#223; bzgl. des K&#246;lner Ev. Kirchentags. Nach der klimaneutralen Durchf&#252;hrung des Katholikentags 2007 in Osnabr&#252;ck hat man vom DEKT f&#252;r den Kirchentag 2009 in Bremen dann die Kirchentagsteilnehmer aufgefordert, mit ihrem Alltagsverhalten zu helfen, die Kirchentags-CO2-Last zu verringern; Ergebnis: rd. 4 % CO2-Emissionseinsparung. Von der Kompensation der „restlichen“ emittierten 96 % ist bisher keine Rede. D.h.: das Leitungsgremium des Kirchentags nimmt erneut in Kauf, dass die Veranstaltung einen durchaus betr&#228;chtlichen Beitrag zur Erh&#246;hung der CO2-Konzentration geliefert hat, w&#228;hrend gleichzeitig u.a. &#252;ber Klimawandel, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit debattiert wurde. „Mensch, wo bist du?“ hie&#223; das Motto des Kirchentags.

Dass die Verfasser der EKD-Studie aus qualitativen Klimaschutzgr&#252;nden das Thema CO2-Kompensation nicht aufgegriffen haben, erscheint wenig plausibel. Wenn bedeutsame Gegenargumente im Raum st&#252;nden, h&#228;tte man doch wohl das F&#252;r und Wider diskutieren m&#252;ssen. Zumindest h&#228;tte in der Schrift erw&#228;hnt werden m&#252;ssen, dass man sich im Raum der EKD der sich ergebenden Zweideutigkeit bewusst ist, wenn man trotz aller guten Worte zu Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit und trotz vorhandener Kompensationsm&#246;glichkeiten ein erheblich gr&#246;&#223;eres CO2-Emissionsrecht f&#252;r sich in Anspruch nimmt, als es die nat&#252;rlichen Verh&#228;ltnisse und darauf bezogene Gerechtigkeitsaspekte erlauben. Aber es gibt kein Wort zu diesem im Licht christlicher Ethik doch eigentlich nur schwer ertr&#228;glichen Widerspruch.

Man kann den Sachverhalt auch so ausdr&#252;cken: Die EKD spricht gro&#223;e und sehr berechtigte Worte und Forderungen zum Thema „Umkehr zum Leben – Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels“ aus; sie bem&#252;ht sich deutlich um Emissionsreduzierungen und fordert von sich und anderen Schritte der Umkehr. Das alles ist sehr anerkennenswert. Aber sie kommt damit – wie wir alle, sofern wir uns nicht um Wiedergutmachung f&#252;r verursachte Klimabelastungen k&#252;mmern – dennoch nicht aus dem Umstand heraus, mit jeder Tonne nicht kompensierter CO2-Emission, die &#252;ber das statistisch betrachtete naturvertr&#228;gliche Ma&#223; pro Kopf und Jahr hinausgeht, nolens volens weiterhin, wenn auch mit abnehmender Tendenz, auf Kosten anderer zu leben. Wie und wo wird deutlich, abgesehen von den erw&#228;hnten vorbildlichen CO2-Neutralisierungsbeschl&#252;ssen der Synode, dass die sich um Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit sorgende Evangelische Kirche bereit ist, f&#252;r die von ihr in der Vergangenheit und weiterhin verursachten CO2-Emissionen Verantwortung zu &#252;bernehmen und sich um entsprechende Wiedergutmachung zu bem&#252;hen?

Es bleibt zu hoffen, dass sich die EKD und ihre verantwortlichen Sprecher hierzu bald eindeutig und &#246;ffentlich erkl&#228;ren.

Horst Emse
PRIMAKLIMA-weltweit- e.V.
D&#252;sseldorf, den 17. Juli 2009
www.prima-klima-weltweit.de</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>„Und was ist mit der Verantwortung f&#252;r nicht vermiedene CO2-Emissionen?“ -<br />
Kritische Anmerkung zur j&#252;ngsten EKD-Denkschrift zum Klimawandel</p>
<p>Es ist durchaus eindrucksvoll, wie die neue EKD-Denkschrift „Umkehr zum Leben – Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels“ die Dringlichkeit der Treibhausgasproblematik und ihre zu bef&#252;rchtenden schlimmen bis katastrophalen Folgen beschreibt. Ebenso bemerkenswert ist, dass der darauf bezogene Ruf zur Umkehr in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils mit konkreten Forderungen an den eigenen Verantwortungsbereich verbunden wird – ganz auf der Linie der EKD-Synode 2008, die ihren Gliedkirchen empfahl, im Zeitraum bis 2015 eine Reduktion ihrer CO2-Emissionen um 25 Prozent &#8211; gemessen am Basisjahr 2005 &#8211; vorzunehmen. </p>
<p>Die Denkschrift ist auf dem Hintergrund dieser beachtlichen Zielsetzung f&#252;r das eigene Handeln geschrieben worden, und die auf das eigene Agieren gerichteten Forderungen sind mit der so vorgegebenen Zielmarke verkn&#252;pft. Das alles ist sehr lobenswert – und doch ist die Verlautbarung, besonders, weil sie aus kirchlichem Kontext stammt, auf bedr&#252;ckende Weise unzureichend:</p>
<p>Egal, ob man sich 20 oder 30 oder sogar 50 Prozent Emissionsvermeidung bis 2015 vornimmt, ob man „Gerechtigkeits- und Umweltfragen in der kirchlichen Agenda inhaltlich und strukturell eine h&#246;here Priorit&#228;t einr&#228;umen“ und „Fragen des Klimawandels und der Armutsbek&#228;mpfung noch st&#228;rker miteinander in Beziehung setzen“ will, ob man das „Umweltmanagement in allen kirchlichen H&#228;usern verpflichtend machen“, „das Mobilit&#228;tsverhalten in der Kirche &#252;berpr&#252;fen und Anreize f&#252;r eine klimafreundliche Mobilit&#228;t geben“ oder ein „&#246;kofaires Beschaffungswesen aus-bauen“ will u.a.m. – all dies Engagement erleidet einen gro&#223;en Glaubw&#252;rdigkeitsverlust, wenn das Naheliegende, das Vor-den-F&#252;&#223;en-Liegende nicht getan wird: das Bem&#252;hen um Tilgung oder Kompensation der nicht vermiedenen CO2-Emissionslasten, also jenes sonst j&#228;hrlich in die Luft abgegebenen gro&#223;en „Restes“, der in 2015 im Raum der EKD wahrscheinlich noch immer mindestens 75 % betragen wird.</p>
<p>Wie solche Wiedergutmachung zu bewerkstelligen ist, haben die letzten drei EKD-Synodaltagungen in 2007, 2008 und 2009 vorgemacht: Die durch die Veranstaltungen incl. An- und Abreisen verursachte CO2-Emissionsmenge wurde jeweils im ersten Schritt rechnerisch ermittelt; im zweiten wurden die entsprechenden Mittel bewilligt, mit denen dann drittens die Kompensation jener Emissionsmenge veranlasst wurde. Zweimal geschah das auf technischem Weg durch stellvertretende Emissionsvermeidung an anderem Ort, einmal auf biotische Art durch die Veranlassung einer Aufforstung, welche die emittierte CO2-Menge innerhalb weniger Jahre der Luft wieder entziehen wird. Im Endergebnis kann f&#252;r alle drei Tagungen gesagt werden, dass durch sie die Luft nicht langfristig mit zus&#228;tzlicher CO2-Emission belastet wurde, dass sie somit (netto betrachtet) klimaneutral durchgef&#252;hrt wurden. </p>
<p>Auf solcherlei Bem&#252;hen, f&#252;r laufend (auch) durch kirchliches Handeln verursachte CO2-Emissionen Verantwortung zu &#252;bernehmen und auf die Verpflichtung, schnellstm&#246;glich Wiedergutmachung zu leisten, wird in der EKD-Denkschrift kein einziger Satz verwendet. Was wird man wohl den Vorhaltungen derer, die unter den Folgen des Klimawandels schmerzlich zu leiden haben, entgegnen, wenn sie fragen: „Warum habt ihr denn bei der &#252;berlaufenden (CO2-)Wanne nicht den bereit stehenden Eimer zum Absch&#246;pfen benutzt, wenn ihr den Zulaufkran schon nicht abstellen konntet? Habt ihr’s nicht getan, weil die Nutzung des Eimers Euch etwas kostete?“</p>
<p>Wie anders als mit der Sorge vor den finanziellen Konsequenzen l&#228;sst sich erkl&#228;ren, dass die EKD-Synode zwar schon dreimal f&#252;r die klimaneutrale Durchf&#252;hrung ihrer Tagungen gesorgt hat, dass sie sich aber nicht entschlie&#223;en kann/will, ihr vorbildliches Verhalten allen kirchlichen Gremien empfehlend zuzumuten? Welchen Grund kann es daf&#252;r geben, dass sich das gute Beispiel der EKD-Synode nicht bei der Aufz&#228;hlung von sinnvollen Handlungsoptionen in der Denkschrift niedergeschlagen hat, wenn es nicht die Sorge ist, dass die konsequente Durchf&#252;hrung von technischen oder biotischen CO2-Kompensationsma&#223;nahmen zur (grunds&#228;tzlich m&#246;glichen!) Erreichung klimaneutralen kirchlichen Handelns die schwierige finanzielle Lage der Kirchen noch verschlechtern k&#246;nnte? Die Synode hat ja bisher nicht erkl&#228;rt, ihre durch den EKD-Umweltbeauftragten ausf&#252;hrlich begr&#252;ndeten Kompensationsanstrengungen seien unsinnig gewesen.</p>
<p>PRIMAKLIMA bem&#252;ht sich seit Jahren u.a. bei Verantwortlichen der beiden gro&#223;en Kirchen darum, dass sie solch Kompensationshandeln bez&#252;glich nicht vermiedener bzw. (noch) nicht vermeidbarer CO2-Emissionen, wie es die EKD-Synode nun durch eigenes Handeln sanktioniert hat, offensiv werbend in die Gemeinden und sonstigen kirchlichen Organisationen tragen – vergeblich; das Anliegen wird konsequent abgeblockt.</p>
<p>PRIMAKLIMA hat einem der h&#246;chsten Repr&#228;sentanten der EKD vorgeschlagen, beispielgebend doch wenigstens daf&#252;r zu sorgen, dass die CO2-Emissionen seiner Dienstfahrten j&#228;hrlich systematisch kompensiert werden. Seine pers&#246;nliche lakonische Antwort darauf lautete, er benutze bereits „ein Auto, das schon jetzt den Grenzwerten entspricht, die nach 2012 gelten sollen“.</p>
<p>PRIMAKLIMA hat dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) erstmals in 2005 vorgeschlagen, mit einem Kostenaufschlag von 1,- € (!) pro Kirchentagsteilnehmer einen Kirchentagswald in einem Entwicklungsland anzupflanzen, der innerhalb weniger Jahre alle durch den DEKT in Hannover verursachten CO2-Emissionen wieder der Luft entzogen h&#228;tte; das wurde als in verschiedener Weise zu „billig“ abgelehnt. Ebenso vergeblich blieb ein erneuter Vorsto&#223; bzgl. des K&#246;lner Ev. Kirchentags. Nach der klimaneutralen Durchf&#252;hrung des Katholikentags 2007 in Osnabr&#252;ck hat man vom DEKT f&#252;r den Kirchentag 2009 in Bremen dann die Kirchentagsteilnehmer aufgefordert, mit ihrem Alltagsverhalten zu helfen, die Kirchentags-CO2-Last zu verringern; Ergebnis: rd. 4 % CO2-Emissionseinsparung. Von der Kompensation der „restlichen“ emittierten 96 % ist bisher keine Rede. D.h.: das Leitungsgremium des Kirchentags nimmt erneut in Kauf, dass die Veranstaltung einen durchaus betr&#228;chtlichen Beitrag zur Erh&#246;hung der CO2-Konzentration geliefert hat, w&#228;hrend gleichzeitig u.a. &#252;ber Klimawandel, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit debattiert wurde. „Mensch, wo bist du?“ hie&#223; das Motto des Kirchentags.</p>
<p>Dass die Verfasser der EKD-Studie aus qualitativen Klimaschutzgr&#252;nden das Thema CO2-Kompensation nicht aufgegriffen haben, erscheint wenig plausibel. Wenn bedeutsame Gegenargumente im Raum st&#252;nden, h&#228;tte man doch wohl das F&#252;r und Wider diskutieren m&#252;ssen. Zumindest h&#228;tte in der Schrift erw&#228;hnt werden m&#252;ssen, dass man sich im Raum der EKD der sich ergebenden Zweideutigkeit bewusst ist, wenn man trotz aller guten Worte zu Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit und trotz vorhandener Kompensationsm&#246;glichkeiten ein erheblich gr&#246;&#223;eres CO2-Emissionsrecht f&#252;r sich in Anspruch nimmt, als es die nat&#252;rlichen Verh&#228;ltnisse und darauf bezogene Gerechtigkeitsaspekte erlauben. Aber es gibt kein Wort zu diesem im Licht christlicher Ethik doch eigentlich nur schwer ertr&#228;glichen Widerspruch.</p>
<p>Man kann den Sachverhalt auch so ausdr&#252;cken: Die EKD spricht gro&#223;e und sehr berechtigte Worte und Forderungen zum Thema „Umkehr zum Leben – Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels“ aus; sie bem&#252;ht sich deutlich um Emissionsreduzierungen und fordert von sich und anderen Schritte der Umkehr. Das alles ist sehr anerkennenswert. Aber sie kommt damit – wie wir alle, sofern wir uns nicht um Wiedergutmachung f&#252;r verursachte Klimabelastungen k&#252;mmern – dennoch nicht aus dem Umstand heraus, mit jeder Tonne nicht kompensierter CO2-Emission, die &#252;ber das statistisch betrachtete naturvertr&#228;gliche Ma&#223; pro Kopf und Jahr hinausgeht, nolens volens weiterhin, wenn auch mit abnehmender Tendenz, auf Kosten anderer zu leben. Wie und wo wird deutlich, abgesehen von den erw&#228;hnten vorbildlichen CO2-Neutralisierungsbeschl&#252;ssen der Synode, dass die sich um Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit sorgende Evangelische Kirche bereit ist, f&#252;r die von ihr in der Vergangenheit und weiterhin verursachten CO2-Emissionen Verantwortung zu &#252;bernehmen und sich um entsprechende Wiedergutmachung zu bem&#252;hen?</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass sich die EKD und ihre verantwortlichen Sprecher hierzu bald eindeutig und &#246;ffentlich erkl&#228;ren.</p>
<p>Horst Emse<br />
PRIMAKLIMA-weltweit- e.V.<br />
D&#252;sseldorf, den 17. Juli 2009<br />
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