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Robert Watson, der jahrelange Chef vom “Weltklimarat” IPCC, war bekannt für seine zugespitzten und provokanten Aussagen. Er hatte keine Scheu, die wissenschaftliche Wahrheit den Regierungen und Klimaverhandler_innen klar und deutlich ins Gesicht zu sagen. Deswegen musste er gehen, denn die Bush-Regierung hatte damals massiv gegen ihn lobbiiert. Sein Nachfolger, Rajendra Pachauri, galt als nicht weniger integer, aber schien aus Sicht der USA und mancher anderer Staaten wohl weniger “aufmüpfig”…
Jetzt aber ist Pachauri mindestens so radikal hervorgeprescht wie sein Vorgänger es vermochte. Er hat sich offen dazu bekundet, dass die Welt das Niveau der Treibhausgase auf 350 ppm Kohlendioxid stabilisieren muss, um 2 Grad – sprich um eine katastrophele Erwärmung – noch zu verhindern. Das dürfte harter Tobak sein für die Verhandler!
Um Obama und seine klimapolitischen Pläne ist es ruhiger geworden in den Medien. Kein Wunder, der Hype vom Anfang seiner Karriere als Präsident konnte nicht ewig andauern. Untätig ist seine Administration freilich nicht. Im Hintergrund wird derzeit mit List und Tücke versucht , das geplante Klimagesetzt mit möglichst geringem Schaden durch den Senat zu bringen. Wie groß oder klein der Schaden sein wird, mit anderen Worten: wie stark dieses Gesetzt noch weiter verwässert wird, desto schwieriger wird es in Kopenhagen sein, die USA an Board eines neuen Klimaschutzabkommens zu bringen.
Während es in den Medien still um Obama und Klimapolitik geworden ist, tritt nun seine Großmutter hervor. Junge Kenianer der Solar Generation von Greenpeace haben „Obamama“, wie sie auch genannt wird, haben auf ihrem Haus Solarzellen montiert und sie dazu gebracht, für saubere Energie zu posieren. „Es freut mich sehr, dass mein Haus nun mit Solarzellen ausgerüstet ist und ich werde dafür sorgen, dass mein Enkel davon erfährt“ lässt sie verlauten. Und Abigail Jabines, die Leiterin von Solar Generation Greenpeace, fügt an: „Am Kopenhagener Klimagipfel im kommenden Dezember müssen sich Präsident Obama und andere Regierungschefs endlich darauf einigen, in der ganzen nicht-industrialisierten Welt derartige Projekte zu finanzieren, damit die betroffenen Länder sich an den Klimawandel anpassen und dessen Auswirkungen nach Möglichkeit mildern können.“
Hoffen wir, dass auch Barack dieses nette Foto von seiner Großmama auf seinen Blackberry gesimst bekommen hat – und das es ihn anspornt, weiter voranzugehen!
“Ist es an der Zeit, sich um Kopenhagen Sorgen zu machen?”, fragt doch tatsächlich James Murray von BusinessGreen.com im Guardian vom 12.8.09. Ehrlich gesagt: Da bleibt mir doch fast die Spucke weg. Wer die Klimaverhandlungen seit dem Bali-Gipfel 2007 verfolgt hat, macht sich schon lange keine Sorgen mehr. Ich finde, das Gefühl ist eher mit schleichender Panik zu beschreiben.
“An economic crisis is a period when you should step back and think: is this a moment to make some fundamental changes?”,
so Gerard Kleistelee, Vorstand von Philips, in einem Artikel der Financial Times. Als fundamentalen Wandel bezeichnet er, dass das Unternehmen seine Zulieferer zunehmend in der – global gesehen – näheren Umgebung sucht. Philips und andere Unternehmen beginnen ihre Zulieferketten umzustellen, weil die Energiepreise in naher Zukunft deutlich steigen werden und staatliche Regulierungsmaßnahmen gegen den Klimawandel die Produktionsbedingungen weltweit verändern könnten. Es lohnt sich dann nicht mehr, die Bauteile aus allen Winkeln der Erde herbeizuholen.
Seit Montag treffen sich erneut 2.400 Verhandler_innen in Bonn, um die Klimaverhandlungen voran zu bringen. Unter anderem wird natürlich wieder auch über Emissionsziele für die Industrieländer verhandelt. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Die Allianz der kleinen Inselstaaten, die für besonders steile Minderungsziele eintreten weil etliche der pazifischen Inseln sogar schon bei einer Erwärmung von 2 Grad untergehen werden, hat dazu eine interessante Tabelle vorgelegt. Sie fasst zusammen, was bisher von den Industrieländern an Angeboten für Emissionsziele vorgelegt wurde. Wer die Tabelle liest, fragt sich schockiert, was hier eigentlich passiert. Werden wir mit Kopenhagen überhaupt ein Stück weiter kommen als mit dem Kyoto-Protokoll von vor zehn Jahren?Beitrag weiterlesen »
Als ich heute morgen mein Frühstücksei köpfte, dachte ich mir noch nichts Schlimmes. Eine halbe Stunde später beim Zeitungslesen packte mich dann mein ökologisches Gewissen: Hatte ich da gerade eine ganze Badwanne voll Wasser genüßlich verspeist – gewissermaßen?
Die Bilanz-Rechnung des WWF hört jedoch nicht beim Frühstücksei auf:
…wird die Freiheit wohl grenzenlos sein. Aber nur für die, die sichs leisten können. Beim Flugverkehr wird so richtig deutlich, was Klimagerechtigkeit bedeutet. Forscher von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben einen Tag des Luftverkehrs in der Welt auf eine Minute zusammengerafft, und tausende kleiner gelber Punkte - einer für jedes Verkehrsflugzeug - zeigen, wie wahnsinnig ungleich die Nutzung der Atmosphäre über den Globus verteilt ist: Nordamerika, Europa, Japan/Asien sind sowohl intern wie auch untereinander aufs beste miteinander vernetzt, der Rest der Welt schaut ins Ofenrohr. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass bisher nur 1 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung überhaupt je ein Flugzeug bestiegen haben. Die Rechnung der Vielflieger, die bezahlen freilich andere.