Überlebensemissionen

Veröffentlicht am 29.09.2008 von Lili Fuhr

Da sind uns die Amerikaner doch tatsächlich in den letzten Tagen mit zwei riesigen (teilweise gedanklichen) Schritten bedrohlich näher gekommen, was unsere europäische Vorreiterrolle im Klimaschutz betrifft…

Letzten Donnerstag haben 10 Bundesstaaten im Nordwesten der USA einen regionalen Emissionshandel eingeführt (Regional Greenhouse Gas Initiative) und die ersten Emissionsrechte versteigert. Die Nachfrage war hoch, aber nicht hoch genug, um die Preise hochzutreiben. Einnahmen lagen bei lediglich $ 3,07 pro Tonne. Erwartet waren bis zu $ 4 pro Tonne. Der Preis auf dem europäischen Markt liegt bei $ 37! Unklar ist wohl auch, wofür die Einnahmen aus der Versteigerung tatsächlich verwendet werden, da sie zunächst in die Kassen der einzelnen Bundesstaaten fließen.

Ein spannender Kommentar anlässlich der Versteigerung findet sich von Wiley Barbour, dem Direktor der American Carbon Registry, der früher für die Environmental Protection Agency gearbeitet hat. Er sagte nämlich: “Wir müssen wirklich anfangen zu unterscheiden zwischen ‘Überlebensemissionen”, also solchen, die z.B. für die Kühlung von Medikamente in Entwicklungsländern dienen, und ‘Luxusemissionen’, die aus der Nutzung von Klimaanlagen in riesigen Häusern resultieren.”

Europäer, aufgepasst, da legen wir noch eins drauf und sagen, dass wir nach 2012 für alle unsere Luxusemissionen gerade stehen werden, alle Emissionsrechte komplett versteigern und niemandem das Recht auf Überlebensemissionen nehmen werden. So, daran können sich die Amis jetzt erstmal die Zähne ausbeißen…

Foto: flickr.com von JanneM

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2°C anpeilen und auf 4°C vorbereiten

Veröffentlicht am 27.09.2008 von Lili Fuhr

Nun liegen die Zahlen des Global Carbon Project, einer internationalen Vereinigung von WissenschaftlerInnen, vor und sie verheißen nichts Gutes. Die Studie Carbon Budget 2007 präsentiert den Anstieg der CO2 Emissionen weltweit, ihre regionale Verteilung sowie die Entwicklung der natürlichen Senken (vor allem Wälder und Ozeane). Hier einige der wichtigsten Erkenntnisse:

In den letzten 20 Jahren ist die CO2 Konzentration in der Atmosphäre jährlich um 1.5 ppm gestiegen und lag 2007 bereits bei 383 ppm.

Dies übersteigt die schlimmsten Szenarien des IPCC. Es ist zudem besonders erschreckend vor dem Hintergrund, dass inzwischen viele WissenschafterlInnen warnen, dass wir uns bereits bei einer Konzentration von 350 ppm der Schwelle zum gefährlichen Klimawandel nähern (z.B. James Hansen von der NASA). Kevin Anderson und Alice Bows vom Tyndall Centre for Climate Change Research gehen in ihrer aktuellen Studie “Reframing the climate change challenge in light of post-2000 emission trends” davon aus, dass angesichts der aktuellen Entwicklungen eine Stabilisierung bei 650 ppm Co2 Equivalent (das beinhaltet verschiedene Treibhausgase) mehr als unwahrscheinlich ist, was uns auf eine Erwärmung von 4 Grad bringen würde. Ihre Botschaft: 2°C anpeilen und sich gleichzeitig auf 4°C vorbereiten… Beitrag weiterlesen »

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Gerechtigkeitszuschlag

Veröffentlicht am 24.09.2008 von Lili Fuhr

“Gerechtigkeit ist keine Sozialromantik. Sie ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und der wirtschaftlichen Systeme von höchster Bedeutung. Ihre Abwesenheit ist schmerzlich erfahrene Realität.”
So heißt es im Statement von Berthold Huber, dem ersten Vorsitzenden der IG Metall, das er anläßlich der Pressekonferenz zum Forderungsbeschluß für die Tarifrunde 2008 der Metall- und Elektroindustrie abgegeben hat. 8 % mehr Lohn fordert die IG Metall und begründet diese außergewöhnlich hohe Forderung mit einem Gerechtigkeitszuschlag: Die Beschäftigten sollen an den hohen Gewinnen der Unternehmen teilhaben.

Doch was hat das mit Klimaschutz zu tun? Es ist interessant, sich die verschiedenen Statements der deutschen Gewerkschaften zum Europäischen Emissionshandel anzuschauen und darin eine Kernbotschaft internationaler Solidarität zu suchen. Wo ist der Gerechtigkeitszuschlag in der Klimapolitik? Beitrag weiterlesen »

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Von Lawinen und Fröschen: die Banken- und die Klimakrise

Veröffentlicht am 23.09.2008 von Lili Fuhr

Ab heute machen wir Schulden: Am 23. September hat die Weltbevölkerung alle natürlichen Ressourcen (Wasser, Energie, Lebensmittel, Holz etc.) aufgebraucht, die ihr für das Jahr 2008 zustehen, hat das Global Footprint Network ausgerechnet. Das ist zwei Wochen früher als im letzten Jahr!

Dieses historische Datum trifft sich mit einem anderen: Gestern war das “Ende der Wall Street”, wie die taz heute titelt. Der amerikanische Investmentbankingsektor hat sich komplett selbst aufgelöst und damit das Ende einer Ära eingeläutet, die Ende der 1990er begann, deren Ende aber schon lange dämmert.

Jetzt könnte man meinen, dass die eine Krise ein Beitrag zur Lösung der anderen sei: Wenn das Wirtschaftswachstum gebremst wird, werden weniger Ressourcen verbraucht und damit auch weniger CO2 ausgestoßen. Doch Fehlanzeige, so einfach ist das leider nicht. Zwar werden aufgrund der Wirtschaftskrise in diesem Jahr ein paar Prozent weniger CO2-Emissionen aus Industrieanlagen erwartet. Aber die wachsende Nachfrage nach Energie gleicht das vollkommen aus. Beitrag weiterlesen »

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Energie für Entwicklung

Veröffentlicht am 21.09.2008 von Lili Fuhr

Am 25. September treffen sich in New York die sogenannten “World Leaders” zu einem High-Level Event zu den Millennium Entwicklungszielen. Die Sitzung wurde bereits letztes Jahr von Gordon Brown eingefordert und nun von UN Generalsekretär Ban Ki-moon einberufen. Es werden über 90 Staats- und Regierungschef, zahlreiche große Stiftungen, WirtschaftsvertreterInnen und die Zivilgesellschaft erwartet. Die Idee ist die einer Halbzeitevaluierung der Erreichung der Ziele und der Mobilisierung einer starken politischen Botschaft, die dann auch bis zur Weltkonferenz zur Entwicklungsfinanzierung Ende des Jahres in Doha reichen soll.

Ban Ki-moon steckt seine Erwartungen an den Gipfel sehr hoch: “On MDGs, there have been some questions, even doubts, about whether these MDG goals are achievable ones. I believe that these are achievable goals, as set out and agreed by world leaders in 2000. For that to be possible, we must really galvanize political will and mobilize necessary resources and I count on the leadership of developed countries. I expect all participants to announce specific initiatives or commitments and lay out plans them. By the close of the meeting, we hope to be in a very different place from where we are today.”

Obwohl die Klimakrise in allen aktuellen Texten zu den MDGs auftaucht und auch von Ban Ki-moon ins Zentrum gerückt wird, haben meiner Meinung nach die sog. “World Leaders” eines immer noch nicht verstanden: Alle Probleme, die die MDGs adressieren (Armut, Zugang zu sauberem Trinkwasser, Gesundheit etc.) haben direkt oder indirekt mit einem Mangel an Zugang zu Energie zu tun. Will man das verbessern, muss man den Zugang zu Energie verbessern und erhöht so den Verbrauch. Beitrag weiterlesen »

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Schon wieder Norwegen!

Veröffentlicht am 17.09.2008 von Lili Fuhr
Amazonien

Norwegen spendiert der brasilianischen Regierung 1 Milliarde $ für ihren im August eingerichteten internationalen Fonds zum Erhalt des Amazonien Regenwaldes. Gerade einmal 21 Milliarden wollen die Brasilianer für ihren Amazonien Fonds in den nächsten 13 Jahren an internationalen Spenden eintreiben. Da ist der norwegische Beitrag tatsächlich mehr als Peanuts. Erst vor knapp einem Jahr hatte die norwegische Regierung 2,5 Millarden € für internationalen Waldschutz zugesagt.

Doch wohin genau geht das Geld? Bei der Recherche verliert man leicht den Überblick. Ich habe im Verlauf von 10 Minuten bereits 3 verschiedene “Amazon Funds” gefunden. Diese reichen von in den USA registrierten Ein-Mann-Betrieben bis hin zu internationalen Initiativen diverser Art. Offensichtlich haben viele die Bedeutung Amazoniens für das Weltklima entdeckt…

Die Initiative Norwegens ist in jedem Fall sehr zu begrüßen, macht sie doch noch einmal deutlich, auf welche Art die reichen Industrieländer einen Teil ihrer Klimaschutzanstrengungen auch außerhalb des eigenen Territoriums erbringen könnten, ohne dabei ihre nationalen Klimaziele nach unten zu korrigieren. Norwegen hat angekündigt, die eigenen Emissionen bis 2020 um 30 % zu reduzieren, seine Kyoto-Ziele gar zu übertreffen und Emissionen bis 2050 um 100 % zu reduzieren: “In the period up to 2050, Norway will undertake to reduce global greenhouse gas emissions equivalent to 100% of our own emissions.” Das klingt leider doch ein wenig nach internationalem Off-Setting (unter das hier auch Spenden wie die an die Brasilianer fallen könnten). Niemand ist perfekt, auch nicht die Norweger.

Über Amamzonien, die Integration von Wäldern in das Klimaregime, Biodiversität und weitere Themen informiert umfassend das Webdossier der Heinrich Böll Stiftung.

Foto: flickr von Old Skool Cora
 

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Humanitäre Hotspots

Veröffentlicht am 15.09.2008 von Lili Fuhr

Die Entwicklungsorganisation Care International und das UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs haben Ende August gemeinsam eine Studie mit dem Titel: “Humanitarian Implications of Climate Change – Mapping emerging trends and risk hotspots” veröffentlicht. Auch wenn sie substanziell wenig Neues enthält, so verdeutlich sie doch mit anschaulichen Kartenmaterial, worum es geht: menschenverursachter Klimawandel führt zu einem höheren Risiko extremer Wetterereignisse (Fluten, Dürren, Stürme), was die Verwundbarkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen massiv erhöht. Die Botschaft: Politische EntscheidungsträgerInnen müssen diese Herausforderung erkennen, Nothilfe-Akteure müssen ihre Strategien anpassen. Beitrag weiterlesen »

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